Loslassen kann so schwer sein.
Und vertrauen auch.
Das Kind soll doch Erfolg haben.
Das Kind soll doch gute Noten haben.
Das Kind soll doch nicht scheitern.
Das Kind soll doch bitte einfach verstehen, dass man manche Dinge machen muss.
Das Kind soll doch bitte einfach die Dinge wegarbeiten – das wäre doch so einfach.
Das Kind soll doch bitte einfach jetzt das machen, was man ihm aufträgt. Dann funktioniert es auch.
Das Kind soll doch bitte einfach die Vokabeln lernen. Jeden Tag nur eine halbe Stunde, dann ist doch alles gut.
Das Kind soll doch…

Wie oft schaust Du mit den Erwachsenen-Augen und sagst:
Wenn man das so und so macht, dann ist das gar kein Problem.
Wenn man Ordnung hält, dann ist es auch leicht zu lernen.
Wenn man sich nur ein bisschen hinsetzt, dann…
Aber wie oft kommst Du so mit Lösungen, die Dein Kind vielleicht gar nicht braucht. Und die für Dein Kind auch keine Lösungen sind, oder möglicherweise eher ein Signal ‘die trauen mir nicht zu, dass ich das selber kann’, ‘die trauen mir nicht zu, dass ich weiß, was gut für mich ist, und vielleicht haben sie sogar recht und ich kann gar nichts’.
Und ich weiß, dass das nicht Deine Intention ist.
Ich weiß nur, dass ich das so oft sehe. Kinder bekommen Erwachsenenlösungen präsentiert, ohne danach gefragt zu haben.
An Kinder werden Erwartungen gestellt, die zu Erwachsenen passen, aber nicht in die Kinderwelt.
Und was wäre, wenn Du loslassen würdest und vertrauen? Und keine Lösungen präsentieren, sondern einen Raum, in dem Dinge möglich sind.
Wenn ich einem Kind nicht sage, Du mußt am Tag eine halbe Stunde Vokabeln lernen sondern frage: ‘Was meinst Du, was Du brauchst? Was könnte Dir gut tun?’
Wenn ich einem Kind nach einem Test nicht sage, hättest Du mal besser gelernt, dann wäre die Note auch besser gewesen, sondern einfach frage: ‘Wie geht es Dir denn damit?’ Wenn das Kind äußert, dass es nicht so glücklich mit dem Ergebnis ist, dann kann ich fragen, was es gebraucht hätte, damit es so läuft, wie es sich das wünscht.
Was wäre, wenn wir nicht alles besser wüssten.
Sondern darauf vertrauen können, dass Kinder schon ziemlich vieles ziemlich gut können. Und ziemlich vieles, ziemlich genau wissen. 🤍